Draconiden Meteorschauer im Oktober von Norden aus beobachten

· von Lola Mercier · 4 Min. Lesezeit

Draconiden Meteorschauer im Oktober von Norden aus beobachten

Die Draconiden gehören zu den schrägen Vögeln unter den Meteorschauern des Jahres. Während fast alle anderen Ströme erst nach Mitternacht ihre beste Phase erreichen, zeigen sich die Draconiden schon am frühen Abend, direkt nach Sonnenuntergang. Das macht sie zum idealen Kandidaten für alle, die keine Lust haben, bis 3 Uhr nachts draußen zu frieren. Wer Anfang Oktober nach Sternschnuppen Ausschau halten will, findet hier den passenden Fahrplan: wann es losgeht, wo man am besten hinschaut und worauf es bei der Beobachtung ankommt.

Was sind die Draconiden?

Die Draconiden, manchmal auch Giacobiniden genannt, verdanken ihre Existenz dem Kometen 21P/Giacobini-Zinner. Der hinterlässt auf seiner Bahn eine Spur aus feinem Staub und Gesteinsbrocken, und genau durch diese Trümmerwolke rauscht die Erde jedes Jahr Anfang Oktober hindurch. Die Partikel, oft nicht größer als ein Sandkorn, verglühen beim Eintritt in die Atmosphäre und erzeugen die kurzen, hellen Lichtstreifen, die wir als Sternschnuppen kennen.

Namensgeber ist der Radiant, also der Punkt am Himmel, von dem die Meteore scheinbar ausgehen: das Sternbild Drache (Draco). Für Beobachter in nördlichen Breiten ein Glücksfall, denn Draco steht dort zirkumpolar, dreht sich also das ganze Jahr über um den Himmelspol und ist praktisch immer auffindbar.

Wann ist der beste Zeitpunkt?

Genau hier liegt die Besonderheit. Perseiden im August oder Geminiden im Dezember zeigen sich am stärksten, wenn der Radiant hoch am Nachthimmel steht, also meist weit nach Mitternacht. Bei den Draconiden ist es umgekehrt: Der Radiant steht am Abend am höchsten, danach sinkt die Rate eher wieder. Wer also um 22 Uhr noch wach ist und kurz vor die Tür geht, hat bereits gute Karten. Für Familien mit Kindern ist das ein echter Vorteil, man muss niemanden um Mitternacht wecken.

Warum nördliche Breiten im Vorteil sind

Das Sternbild Drache klettert für Beobachter ab etwa 45° nördlicher Breite besonders hoch über den Horizont und bleibt dort die gesamte Nacht stehen. Je weiter man selbst im Norden wohnt, desto besser die Position des Radianten am Abendhimmel. Deutschland, Österreich und die Schweiz liegen damit in einer der günstigsten Zonen weltweit für dieses Ereignis, ebenso der Rest Nord- und Mitteleuropas.

Wie viele Sternschnuppen kann man erwarten?

In einem normalen Jahr sind es etwa 5 bis 20 Meteore pro Stunde, also nichts, was die Perseiden-Rate toppt, aber durchaus beobachtbar. Interessant wird es bei den Ausreißern: 1933, 1946, 1998, 2011 und 2018 schnellte die Zahl kurzzeitig auf mehrere Hundert, in Spitzenjahren sogar auf über tausend Meteore pro Stunde hoch. Solche Meteorstürme kündigen sich kaum an, sie passieren einfach. Genau diese Unberechenbarkeit macht die Draconiden für erfahrene Hobbyastronomen so reizvoll, man weiß nie genau, was einen erwartet.

So gelingt die Beobachtung

1. Den richtigen Ort wählen

2. Die passende Ausrüstung

3. Augen an die Dunkelheit gewöhnen

Rund 20 bis 30 Minuten dauert es, bis sich die Augen wirklich an die Dunkelheit angepasst haben. In dieser Zeit sollte das Smartphone-Display Pause haben, schon ein kurzer Blick aufs Handy wirft die Nachtsicht wieder zurück auf null.

4. Mondphase beachten

Ein Blick in den Mondkalender vor der Beobachtungsnacht lohnt sich. Steht ein heller Vollmond am Himmel, überstrahlt er die schwächeren Meteore und man sieht nur noch die hellsten Exemplare. Ist der Himmel dagegen mondarm, verbessert sich die Sichtbarkeit spürbar, dann werden auch schwächere Sternschnuppen sichtbar.

Häufige Fragen

Muss ich zum Sternbild Drache schauen? Nein, die Meteore tauchen am gesamten Himmel auf, auch wenn sie scheinbar vom Radiant ausgehen. Tatsächlich lohnt sich ein Blick etwas abseits vom Radianten, dort erscheinen die Spuren oft länger und eindrucksvoller.

Lohnt sich die Beobachtung auch bei leichter Bewölkung? Durchaus, bei lückenhaften Wolken lassen sich immer wieder einzelne Meteore erhaschen. Ein klarer, wolkenfreier Himmel bleibt aber klar die bessere Option.

Sind die Draconiden für Kinder geeignet? Ja, und zwar besonders gut. Die frühe Abendzeit bedeutet: kein Aufbleiben bis Mitternacht, kein übermüdetes Quengeln am nächsten Morgen. Ein kurzer Abendspaziergang mit Decke und Taschenlampe reicht meist schon aus.

Fazit

Die Draconiden sind ein Meteorschauer für Menschen, die ihren Schlafrhythmus nicht opfern wollen. Beobachter in nördlichen Breiten haben hier klar die Nase vorn, ein Vorteil, den man sich nicht entgehen lassen sollte. Die Raten fallen meist moderat aus, keine Frage, aber die Geschichte der Draconiden zeigt immer wieder: Aus einer ruhigen Nacht kann innerhalb weniger Stunden ein spektakulärer Meteorsturm werden. Einen dunklen Ort suchen, die Nacht vom 8. auf den 9. Oktober im Kalender markieren und dann einfach abwarten, was der Himmel zu bieten hat.

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